Wie sagt man Ich, Du, Er, Sie, Es auf Thai? – Thai lernen online #2

Eigentlich sollte es ganz einfach sein. Für jeden deutschen Begriff ein thailändisches Wort. Leider ist das nicht so. Ganz im Gegenteil.

Bevor wir uns die vielen Möglichkeiten einmal genauer anschauen, ein ganz kurzer Blick auf die traditionelle thailändische Gesellschaftsstruktur.

Thailand als hierarchische Gesellschaft

Im Gegensatz zu vielen Ländern des Westens, in denen sich alles zu immer noch flacheren Hierarchien hinbewegt, ist Thailand, sehr stark von Hierarchien geprägt. Das hat neben dem(oft auch übertriebenen) Respekt, den man vor Älteren und Höhergestellten hat, auch Auswirkungen auf die Sprache.

An der Spitze der thailändischen Gesellschaft steht ganz klar der König und die königliche Familie. Dies drückt sich im Verbot von Kritik aus, genauso wie in der Verehrung des Königs von so gut wie jedem Thai.

Aber die Hierarchie beginnt bereits in der Familie. Jedes Kind nimmt seinen Platz am unteren Ende der Leiter ein. Ältere Geschwister, Nachbarskinder und ältere Verwandte und Bekannte sind ihnen übergestellt.  Und auch wenn kleine Kinder verhätschelt werden, so müssen sie doch den älteren Folge leisten.

Im Arbeitsleben gibt es ganz klare Vorstellungen davon, wer wo seinen Platz hat und wie er sich seinen Vorgesetzten gegenüber zu verhalten hat.

Wie im Beitrag Begrüßung auf thailändisch beschrieben drückt sich das auch in der Form der Begrüssung aus, z.B. ob mit einem Wai gegrüsst wird oder nicht, Höhe des Wai etc. Ein Thai würde z.B. niemals sein Zimmermädchen mit einem Wai begrüßen, wie es westliche Touristen gerne machen.

Und natürlich drücken sich diese familiären und gesellschaftlichen Strukturen auch in der Sprache aus.

Ich, Du, Er, Sie, Es auf thailändisch – Für jedermann

Zurück also zur Sprache. Zunächst einmal die wichtigsten Formen, die man als Farang in Thailand benutzen kann. Diese sind höflich genug für den Alltag und werden verstanden.
Später im Beitrag gehe ich dann noch auf die vielen verschiedenen Varianten ein.

ICH – auf thailändisch:

Phom (ผม) –  wird nur von Männern verwendet.

Tschan ( ฉัน) – wird von Frauen verwendet, kann aber auch von Männern verwendet werden, wenn diese mit ihrer Frau, Freundin sprechen. Besonders oft ist dies in Soap Operas und in Thai Songs zu hören.

DU – auf thailändisch:

Khun (คุณ) – Wird sowohl von Männern, als auch von Frauen verwendet und ist eine höfliche Form, die problemlos im Alltag verwendet werden kann. Das Wort ist im übrigen das gleiche, das auch für Herr/Frau soundso verwendet wird. Khun Sebastian – Herr Sebastian.

ER – auf thailändisch:

Khao (เขา) – Wird für Männer verwendet. Ausgesprochen wird das ähnlich wie das deutsche Kau, in „Kau, bevor du schluckst…“

SIE – auf thailändisch:

Tör (เธอ) – Wird für Frauen verwendet. Aussprache ist wie ich es geschrieben habe, stell dir eine Tür vor, aber keine Tür sondern eine tÖÖr.

ES – auf thailändisch:

Man (มัน) – sollte tatsächlich nur für Sachen, Dinge, Tiere etc verwendet werden. Thais verwenden es aber auch einmal abfällig über eine Person, ähnlich wie es im deutschen auch gemacht wird. Wir sollten das als Farangs aber nicht. Aussprache, wie der deutsche Mann.

WIR – auf thailändisch:

Rau (เรา) – wird verwendet wie im deutschen, für mehr als eine Person, oder Gruppen. Aussprache, wie rauh auf deutsch, nur das R wird ausgesprochen, wie eine Mischung aus r und l. D.h. die Zunge ist nicht so weit vorne im Mund, sondern mittig eingerollt…Ich sollte wirklich eine Video darüber machen, wie ich meine Zunge mittig einrolle;-)

Es gibt auch die Möglichkeit phuag rau zu verwenden, was soviel wie unsere Gruppe heisst.

IHR – auf thailändisch:

Khun (คุณ) – Gleiches Wort wie für das männliche Du. Wird aber genauso auch für Ihr verwendet. Auch hier gibt es die Möglichkeit phuag khun zu verwenden, das dann euere Gruppe bedeutet.

SIE – auf thailändisch:

Khao (เขา) – Das gleiche Wort wie Er. Auch hier gibt es wieder die Variante mit phuag khao, um deutlicher zu machen, das es sich um sie-diese Gruppe handelt.

Weitere Anredeformen, die von Thais (häufig) verwendet werden

Die folgenden Formen habe ich aufgelistet, um zu zeigen, wie vielschichtig die thailändische Sprache ist, wenn man sich wirklich damit befasst.

Ich – Formen

Gu (กู) – eine sehr unhöfliche Form. Sollte von Farangs auf keinen Fall verwendet werden. Thais nutzen dies nur mit sehr engen Freunde und in Familien(eher die unteren sozialen Schichten) und wenn sie wütend sind. Im bekannten Film Tom Yam Goong, schreit der Hauptdarsteller am Ende immer wieder „Chang Gu Yu Nai – Wo ist mein verdammter Elefant“

Di-Tschan (ดิฉัน) – deutlich höflicher, als Tschan, das wir bereits weiter oben hatten.

Kapachau (ข้าพเจ้า) – sehr höfliches Wort, das von Männern verwendet wird. V.a. im schriftlichen, formalen Thai.

Atthama (อตมา) – wird nur von Mönchen verwendet. Als ich das erste Mal länger mit einem Mönch sprach, habe ich mich die ganze Zeit gefragt wer denn dieser Atthama ist, von dem er immer redet;-)

Rau (เรา) – Das Wort für wir kann auch für ich benutzt werden.

Nuu (หนู) – Das Mäuschen. Vor allem Mädchen und junge Frauen nutzen das anstelle von ich. Aber auch erwachsene Frauen, die mit deutlich älteren Frauen sprachen habe ich schon gehört. In Südthailand wird aus dem Nu ein Nui, was winzig bedeutet.

Luug (ลูก) – Viele Kinder und auch Frauen nennen sich selbst Lug(Tochter/Sohn), wenn sie mit ihren Eltern oder älteren Bekannten/Verwandten sprechen.

Nong (น้อง) – kommt von kleine Schwester/kleiner Bruder. Wird in diesem Fall stellvertretend für ich verwendet. Wenn das Gegenüber Älter ist.

Pi (พี่) – kommt von große Schwester/großer Bruder. Wird auch hier stellvertretend verwendet, wenn das Gegenüber Jünger ist.

Ai (ไอ) – Besonders Frauen gerne das Wort Ai, was eigentlich das englische Wort I, als Ich ist.

Vorname –  Ebenfalls fast ausschließlich von Frauen wird der eigene Vorname anstelle von Ich verwendet. Männer machen das eigentlich nur, wenn sie schwul sind.

Du – Formen

Ähnlich wie bei den ich Formen gibt es auch einige Du-Formen.

Müng (มึง) – Die vulgärste Variante jemanden anzusprechen. Sollte auf jeden Fall von keinem Farang benutzt werden. Thais verwenden das Wort unter sehr engen Freunden oder wenn sie jemanden beleidigen wollen.

Töör (เธอ) – Wie sie weiter oben. Allerdings hier als Du Variante, die unter Freunden spielerisch genutzt wird.

Eng (เอง) – Wird ebenfalls unter Freunden und Familie genutzt ist aber nicht vulgär.

Gää (แก) – Wird ebenfalls unter Freunden und Familie genutzt. In anderen Situationen ist es beleidigend.

Thann( ท่าน) – Sehr höfliche Du-Form, die v.a. im formalen Schrift-Thai verwendet wird.

Nuu (หนู) – Siehe oben, als Ich-Form, wird es auch gerne von Eltern für Töchter verwendet. Oder wenn es einen sehr grossen Altersunterschied zwischen den Frauen gibt.

Nong (น้อง) – Als Ansprache von Personen die jünger als man selbst ist.

Pii (พี่) – Als Ansprache von Personen die nur einige Jahre älter als man selbst ist.

Baa (ป้า) – So werden Frauen angesprochen, die deutlich älter als man selbst ist und die man nicht kennt. Wenn sie sehr alt sind, dann auch als Yai. Baa heißt Tante, Yai ist Großmutter.

Lung (ลุง) – Gleiches gilt auch für Männer, die man nicht kennt. Wenn Sie deutlich älter sind, aber noch keine Greise, dann ist es der Onkel. Bei sehr alten Männer wird daraus der Dtaa, der Großvater.

Verwandtschaftsbezeichnung + Vorname – Die genannten Verwandtschaftsbezeichnungen und viele weitere, die ich nicht aufgeführt habe, in Kombination mit dem Vornamen ist auch eine gängige Anrede für Personen, die man kennt. Unabhängig davon, ob es Verwandte sind oder nicht.

Berufsbezeichnung – Sehr gerne werden auch Berufsbezeichnungen verwendet. Oft auch in Verbindung mit einem höflichen Khun davor. Z.B. Khun Moh (Herr Doktor), Ajarn (Lehrer), Mae Kah (Verkäuferin) etc.

Zu guter letzt noch ein Zungenbrecher, den ihr Euch merken solltet, wenn ihr einmal das Glück haben solltet eine königliche Audienz zu bekommen:

dtai-fah-la-ohng-tuli-pra-baht (ใต้ฝ่าละอองธุลีพระบาท) – das heißt soviel wie: „(ich) tiefer als der Staub unter Euren königlichen Füssen“ und wird nur in direkter Ansprache des Königs verwendet und sollte nie genutzt werden, um sich einen Spaß daraus zu machen….Denn da verstehen die Thais keinen Spaß;-)

War das nun hilfreich oder vielleicht doch eher verwirrend:D ?

Ich hoffe der Beitrag hat etwas Licht in die Vielfalt der thailändischen Anredeformen gegeben. Auch wenn es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, von denen ja nicht alle verwendet werden, so reichen doch die ersten Formen, die ich genannt habe aus. Die anderen sind dann entweder für Fortgeschrittene oder aber wirklich nur für besondere Anlässe.

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Dafür gibt es eine eigene Lautschrift, die besonders für deutschsprachige Lernende sehr intuitiv ist und den Einstieg sehr leicht macht.

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3 Kommentare
  1. Mase
    Mase says:

    Hallo Sebastian,

    wieder ein sehr interessanter und hilfreicher Bericht. Vielen Dank für deine Mühe und die investierte Arbeit.

    LG
    Matthias

  2. Sebastian
    Sebastian says:

    Gern geschehen Matthias;-)
    Hast Du denn etwas was Dich speziell interessieren würde?

  3. Mase
    Mase says:

    Ja ich hatte ja schonmal unter einem anderen Beitrag kommentiert, dass ich für den Urlaub eher Hilfe für die gängisten Dinge bräuchte. Sprich Thaisprache in Restaurants, mit Taxi / Tuk Tuk Fahrern, beim Einkaufen auf Märkten (Handeln; nach dem Preis fragen etc.) im Hotel etc. Oder auch ein Nein danke falls man auf der Strasse wegen irgendwelchen Dingen angesprochen wird…. Hätte auch Interesse an deinem Kurs aber da ich nur auf der Arbeit schnelles Internet habe und da nicht so oft rein kann und dort auch kein Skype habe wird das leider nichts. Deswegen warte ich schon ganz voller Vorfreude auf die Lektion Thai Lernen Online #3 🙂 Die Sachen kann ich mir ausdrucken und so wenigstens ein paar Grundlagen lernen. In 11 Tagen geht es übrigens endlich wieder in den Thailand Urlaub und die Vorfreude ist immens 🙂 Mal gucken ob ich bis dahin noch das ein oder andere hilfreiche Wort aufschnappen kann.

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