7 falsche Annahmen über Phuket

Zu touristisch, zu teuer, zu westlich. Das ist die Meinung vieler Backpacker, selbst ernannter Thailandkenner und auch von Expats in anderen Teilen von Thailand, auch wenn diese vielleicht noch nie selbst auf Phuket waren. Aber was ist wirklich dran an diesen Vorurteilen?

Die Antwort darauf kann sicherlich nicht so pauschal gegeben werden, wie geurteilt wird. Ganz klar muss gesagt werden Phuket ist nicht das billigste Reiseziel in Thailand und ein Teil der Insel ist fest in der Hand der Pauschaltouristen aus aller Welt. Ein Paradebeispiel dafür ist Patong, das El Arenal der Insel. Aber so wie Mallorca nicht nur aus Ballermann besteht, so hat auch Phuket noch mehr zu bieten.

Mit diesem Beitrag will ich meine Sicht auf einige typische, falsche Annahmen vermitteln. Du kannst mir in den Kommentaren gerne Deine Sicht näher bringen 😉

Falsche Annahme Nr. 1: Auf Phuket sind alle Strände überlaufen

Alle Welt redet von den Stränden in Patong, Kata und Nai Harn. Doch Phuket hat mehr als 30 Strände. Einige davon sind kaum bekannt und abseits der Touristenmassen andere sind als Nationalpark geschützt. Entsprechend ruhig geht es dort noch zu.
Hier zwei sehr unterschiedliche Strände, die aber beide zu den ruhigen Stränden zählen:

 

Mai Khao Beach – Ganz im Norden

Der längste Strand von Phuket mit über 11km Länge ist immer noch einer der am wenigsten besuchten der Insel. Außer einigen 5* Sterne Hotels, wie dem JW Marriott, befindet sich nichts in der Nähe. Im Süden schliesst der Strand direkt an den ebenfalls sehr schönen Naiyang Beach an. Beide sind Teil des Sirinath Nationalparks, wobei für den Besuch des Strandes kein Eintritt verlangt wird. Teilweise kann man hier noch für einige Kilometer laufen und trifft auf weniger als eine Handvoll Menschen.

Zu Songkran, dem thailändischen Neujahrsfest im April, werden an diesem Strand junge Meeresschildkröten ins Meer entlassen.

 

Ao Sane Beach – Ganz im Süden

Zwar nicht mehr ganz so ruhig wie früher, aber dennoch ein Tipp. Der Strand ist vom beliebten Nai Harn Strand aus gut zu sehen, aber dank der versteckten Zufahrt nur schwer zu finden. Um diesen kleinen Strand zu erreichen muss man über den Hof des The NaiHarn Hotels fahren und einer kleinen, schmalen Straße folgen.

Von dort bieten sich schöne Blicke auf die Küste. Der Strand liegt etwas tiefer als der Parkplatz und ist nicht sonderlich gross und von einigen Granitfelsen eingesäumt. Am Ao Sane Beach gibt es ein kleines Thai-Restaurant und auch einige der letzten Beachbungalows auf Phuket. Leider sind diese in einem eher schlechten Zustand.

Fazit: Die bekanntesten Strände sind, wie soll es auch anders sein die vollsten. Wer einen ruhigen Strand sucht, der findet diesen auf Phuket. Und das sogar während der Hochsaison.

Falsche Annahme Nr. 2: Es gibt keine günstigen und Traveller-freundlichen Unterkünfte mehr

Es stimmt, dass die Zeit der Billig Backpacker in Phuket vorüber ist. Dennoch gibt es noch immer preiswerte Unterkünfte für unter 1.000 Baht pro Nacht.

Die meisten Backpacker suchen sich Unterkünfte in Phuket Town in der Nähe des Busbahnhofs. Über Agoda gibt es eine große Auswahl von Hostels und Guesthäusern mit Preisen von 250 – 1000 Baht pro Nacht.

Hier einmal 5 empfehlenswerte Guesthäuser in dieser Preisklasse.

2W Cafe & Hostel
Lub Sbuy Guest House
Baan Sutra Guest House
– Backpacker Hostel

Phuket Old Town Hostel

Preiswerte Unterkünfte für Individualreisende

Nicht jeder Urlauber ist ein Backpacker und nicht jeder braucht auf der Reise das billigste Zimmer. Gerade im Bereich von 25-40 € pro Nacht und Zimmer gibt es auf Phuket eine unglaubliche Auswahl hervorragender Unterkünfte.

Hier unsere Empfehlungen für günstige Phuket Hotels, teilweise für unter 1000 Baht die Nacht

Fazit:
Phuket ist sicher nicht so billig, wie andere Inseln in Thailand. Die billigen Strandbungalows von klassischen Backpacker Inseln gibt es hier nicht. Aber, wer wirklich billig will, der bekommt es auch hier. Wer dagegen sehr gute Hotels zu einem fairen Preis sucht, der kommt auf jeden auf seine Kosten.

 

Falsche Annahme Nr. 3: Phuket ist viel zu westlich und nicht mehr wirklich Thailand

Ja, Phuket ist sicherlich in vielen Bereichen nicht mehr das Thailand, wie man es in anderen Ecken des Landes noch kennt. Doch auch hier gilt wieder: Die Strände an der Westküste sind nicht repräsentativ für die ganze Insel.

Ganz klar: Phuket ist ein touristisches Ziel. Speziell in den touristischen Zentren der Insel ist zu spüren, dass die Thais dort nicht mehr so freundlich sind, wie auf dem Land. Vielen stehen die Dollarzeichen in den Augen und sie sehen jeden vorbeikommenden Ausländer als einen laufenden Bankautomat, den es auszunehmen gilt.

Besonders in Patong und Kata sind die Schneider, TukTuk Fahrer, Massageanbieter und sonstige Verkäufer eine echte Plage.

ABER: Wer hat gesagt, dass Du in Patong Urlaub machen sollst?

Neben all den negativen Aspekten, die der Massentourismus und die Entwicklung der Insel mit sich gebracht hat, so hat es doch auch positive Seiten.

Es gibt wirklich gute Krankenhäuser. Es gibt Lebensmittel aus der Heimat in den Supermärkten, es gibt internationale Schulen. Es gibt hervorragende Restaurants mit internationaler Küche.

Vielleicht weniger interessant für Urlauber und Traveller, aber auf jeden Fall ein wichtiges Kriterium für Auswanderer und Langzeit-Urlauber.

Fazit:
Für Individualreisende, die vor allem Wert auf Kultur und unbekannte Gegenden legen, und Party Backpacker, die dem Banana Pancake Trail folgen ist Phuket eher weniger geeignet. Für alle anderen bietet Phuket auf jeden Fall einen guten Mix, mit allen Annehmlichkeiten.

 

Falsche Annahme Nr. 4: Auf Phuket ist das Thai-Essen für die Touristen angepasst

Das hat weniger mit Phuket zu tun, als mit den typischen Restaurants für Touristen(und ja Backpacker und andere Traveller sind auch Touristen). Und die sind fast überall in Thailand gleich schlecht. Es gibt immer die gleichen 10-15 Standardgerichte.

Von Chiang Mai über Koh Phangan bis Phuket und Koh PhiPhi war es immer das gleiche.

Wenn es eine grosse Karte mit bunten Bildern und den Namen der Gerichte in 3 Sprachen gibt, dann ist das Essen angepasst.

Wer wirklich authentisch Thai essen will, der muss in die kleinen Garküchen gehen oder von den kleinen, fahrenden Mopedküchen bestellen. Diese gibt es auch auf Phuket. Denn die Thais selbst essen ja auch irgendwo.

Fazit:
Touri-Thaifood gibt es überall auf Phuket, aber auch im Rest von Thailand. Richtig gutes Thaifood aber auch. Doch dafür muss man dort Essen gehen wo die Einheimischen essen.

 

Falsche Annahme Nr. 5: Phuket ist voller Sex-Touristen

Eigentlich ist Pattaya ja als der grösste Freiluft-Puff der Welt verschrien. Aber auch in Phuket gibt es mit der Bangla Road eine bekannte Partymeile. Ich könnte jetzt behaupten, dass sich die Szene nur auf Patong beschränkt, aber das stimmt nicht. In allen Touristenorten auf Phuket gibt es Bars mit käuflichen Damen.

Wer sich daran stört, ist selbst Schuld. Wer in Hamburg ist stört sich auch nicht an der Reeperbahn, und das Red Light District in Amsterdam gehört, wie der Coffeeshop auch zum Pflichtprogramm eines Besuches in Holland.

Die meisten Besucher kommen aber nicht wegen der Nutten nach Phuket sondern wegen der Strände und des guten Wetters. Der Großteil der Touristen sind Paare und Familien.

Fazit:
Sextourismus gibt es überall in Thailand, in unterschiedlicher Ausprägung. Das Zentrum der Aktivitäten ist Phuket aber ganz sicher nicht. Dies sind Bangkok, Pattaya und Hat Yai(für Thais).

 

Falsche Annahme Nr. 6: Phuket ist viel zu teuer

Teuer ist immer relativ. Im Vergleich zum Rest von Thailand ist Phuket teuer. Phuket ist die teuerste Provinz des Landes, wenn man von Downtown Bangkok absieht.

Im Vergleich zu Europa ist Phuket dagegen immer noch sehr billig.

Es hängt ganz davon ab, welches Budget man als Reisender hat und was man dafür haben möchte. Wie weiter oben beschrieben gibt es auch auf Phuket noch günstige Unterkünfte.
Hervorragende Hotels sind um 50% günstiger als in Europa. Hier unsere Hotelempfehlungen auf Phuket.
Das teuerste an Phuket ist der Transport. Wer nicht selbst mit einem Moped oder Auto fahren will, der ist den überteuerten Preisen der TukTuk Fahrer ausgeliefert. Da es kein öffentliches Nahverkehrsangebot gibt, sind diese alternativ los. In Relation zu Deutschland sind aber auch die TukTuks preislich immer noch im Rahmen.

Zum Leben ist Phuket die teuerste Provinz des Landes. Als Auswanderer sollte man da schon ein gutes Einkommen haben. Pattaya, Chiang Mai und natürlich kleinere Städte sind deutlich billger.

Allerdings gibt es auch in Phuket deutliche Unterschiede in den Preisen, zwischen den Stränden der Westküste und den weniger touristischen Orten der Ostküste.

Fazit:
Teuer ist relativ und es hängt von den eigenen Ansprüchen und dem Budget ab. Im Landesvergleich ist Phuket ganz klar, der teuerste Ort.

 

Falsche Annahme Nr. 7: Die Zeit von November bis April ist die beste Reisezeit

In jedem Reiseführer und auf jeder Webseite kann man es lesen. Die beste Reisezeit für Phuket ist November bis April. Zu dieser Zeit ist sicherlich das statistisch beste Wetter. Aber deswegen ist es nicht unbedingt die beste Reisezeit.

Ich persönlich finde die Regenzeit auf Phuket die viel bessere Zeit. Das hat ganz einfache Gründe:

Es ist weniger touristisch, die Strände sind leerer, ich kann zu meinem Lieblingsitaliener gehen und bekomme einen Platz, das Meer hat Wellen zum Surfen und die Atmosphäre ist insgesamt viel relaxter. Außerdem ist es nicht ganz so heiß.

Regenzeit heisst nicht wochenlangen Dauerregen. Es gibt sogar oftmals sehr lange Trockenphasen mit bestem Wetter. Besonders im Juli und August.

Aber wegen mir können gerne weiterhin alle in der Hochsaison kommen. Dann bleibt die Nebensaison umso schöner für alle anderen:)

Fazit: Ja, es stimmt.Die beste Reisezeit ist von November bis April. Bitte komm nicht in der Nebensaison!

 

Was zählt sind eigene Erfahrungen

Leider übernehmen zu viele Menschen einfach unreflektiert die Aussagen anderer, ohne diese mit eigenen Erfahrungen zu überprüfen. Alle die o.g. Annahmen habe ich mehrfach von Leuten gehört, die noch nie auf Phuket waren und auch niemand kannten, der dort war.

Wie Du vielleicht schon gemerkt hast gefällt es mir auf Phuket trotz der negativen Seiten und ich kenne einen ganz Haufen Leute, denen es genau so geht. Letztlich ist es vollkommen egal, ob diese Annahmen für mich stimmen oder nicht. Das einzige was zählt ist, ob Du während Deiner Reise eine gute Zeit hast oder nicht. Jeder muss selbst entscheiden, wie und wo er am meisten Spass hat.

Wie denkst Du darüber? Warst Du schon auf Phuket? Hat es Dir gefallen oder auch nicht? Warum? Lass mich Deine Meinung wissen!

 

8 Kommentare
  1. John
    John says:

    Hi Sebastian,

    vielen Dank für die schöne Auflistung! Ich konnte mir dieses Jahr auch ein kleines Bild von Phuket machen und fand es stellenweise sehr schön, andererseits hat mir der Osten viel besser gefallen – kann auch am Wetter gelegen haben, weil ich tatsächlich in der Nebensaison angekommen bin und dann auch schnell „flüchten“ musste:D

  2. Sebastian
    Sebastian says:

    Hi John,
    ja, mit Phuket ist das so eine Sache. Es hängt wirklich von den eigenen Erwartungen und dem Ort ab, an dem man sich aufhält. In der Nebensaison braucht man auch ein bisschen Glück, aber generell ist der Juli/August ganz gut. Im Mai und September/Oktober oft die größten Niederschläge. Aber auch das kann man so pauschal natürlich nicht sagen.

  3. kahunablogger
    kahunablogger says:

    Und wenn man im Zentrum unterwegs ist – sagen wir mal Phuket-Town nach Kathu, dann hält man sich besser die Augen zu. Schon schade, dass es all diese Bausünden und diese Zersiedelung der Landschaft geben darf. Damit meine ich v.a. die vielen nie fertig gestellten Gebäude und zahlreiche Plätze wo Bauschutt/Müll abgeladen und dann vergessen wird. Grüße aus Chiang Mai

  4. Sebastian
    Sebastian says:

    Da hast Du natürlich Recht! Als jemand der 7 Jahre dort gelebt hat ist mir da irgendwann nicht mehr soo bewusst aufgefallen. Aber es ist natürlich ein Riesenproblem. Leider interessiert es die Behörden nicht. Und solange man mit Geld alles machen kann wird sich auch nichts ändern.
    Die Korruption ist das eigentliche Problem. Aber nicht nur in Phuket sondern in ganz Thailand.
    Viel Spass in Chiang Mai!

  5. Jenny
    Jenny says:

    Hallo Sebastian,
    ich nehme dieses Post mal zum Anlass für einen Kommentar: Ich habe deinen Blog vor ein paar Wochen entdeckt und stöbere seitdem gern darin herum. Wir waren 2001 fast drei Wochen auf Phuket, und zwar in der Nebensaison im September – jedenfalls hat es jeden Tag geregnet und es war kaum etwas los. Wir haben uns viel Zeit für die Insel und Pha-Nga genommen, sind jeden Tag woanders hin gefahren und haben Phuket sehr ins Herz geschlossen. Du hast Recht, dass über Phuket viele Vorurteile kursieren – ganz ähnlich wie über Mallorca. (Das wir auch sehr mögen :-))

    Hoffentlich können wir in den nächsten Jahren mal mit unseren Kids vorbeikommen und schauen, wie sich die Insel im letzten Jahrzehnt (OMG) verändert hat …

  6. Sebastian
    Sebastian says:

    Danke für Deinen tollen Kommentar.
    So ist, man muss sich die Zeit nehmen, um die Insel zu entdecken. Denn es gibt immer noch viel zu entdecken. Allerdings ist die Entwicklung seit 2001, in manchen Teilen der Insel,natürlich schon extrem. Dennoch ist Phuket für mich die schönste, da vielseitigste Insel. Hier findet man eben alles-

  7. Sarah
    Sarah says:

    Danke Sebastian, für die etwas andere Info zu Phuket.
    Habe für nächstes Jahr März an Phuket gedacht und war doch ziemlich von den vielen pauschalen „Touri-Infos“ abgeschreckt…
    Naja ich denke wir werden uns ein ruhiges Fleckchen aussuchen und es einfach versuchen! 😉

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