Die Seezigeuner von Ko Sirae

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Phukets Seezigeuner in Rawai und auf Ko Sirae

Auf Phuket gibt es drei Siedlungen von Seezigeunern: In Rawai, in Sapan Hin und auf Ko Sirae. Außerhalb von Phuket gibt es diverse andere Orte und Inseln, auf denen Seezigeuner leben, so auf Ko Phi Phi, Ko Lanta und an der Küste zwischen Takua Pa und Ranong. Ein weiteres Dorf befindet sich auf den Surin-Inseln, das ich noch aus meinen Zeiten als Tauchguide kenne, aber seit 2007 nicht mehr besucht habe. Auf diesem Blog gibt es einen etwas aktuelleren Bericht.

Die Siedlung der Chao Le

Das Dorf liegt nördlich von Phuket Town auf der Halbinsel Ko Sirae. Diese ist kaum erschlossen und lohnt sich für einen kleinen Abstecher, auch in Verbindung mit einem Besuch des Phuket Sunshine Village. Ko Sirae ist ab Phuket Town ausgeschildert, einfach den Schildern Richtung Rassada Pier/Ko Siray folgen. Über eine kleine Brücke erreicht man die Insel. Dann den Schildern Richtung Laem Tukkae folgen.


Seezigeuner Dorf – Koh Sirae Phuket auf einer größeren Karte anzeigen

Die Siedlung liegt entlang des Strandes und hat eine nicht asphaltierte Hauptstrasse in der Mitte des Dorfes. Links und rechts von dieser Hauptsstrasse befinden sich die Häuser, die meist einfache Holzgebäude mit Wellblechwänden und Dächern sind.

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Die Einwohner gehen ihrer täglichen Arbeit nach, reparieren Reusen, flicken Netze oder dösen einfach im Schatten vor sich hin. Hier ticken die Uhren noch anders.

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Der Dorfvorsteher Manik gibt einen Einblick in die Geschichte der Seezigeuner

Bei unserem Besuch des Dorfes stießen wir durch Zufall auf den Puyai Baan, den Dorfchef, der gerade kleine Schiffsmodell baute. Wir kamen ins Gespräch(auf Thai, denn er spricht kein Englisch) und er gab einen  wunderbaren Einblick in die Lebensweise der Seezigeuner:

dorfchef der urak lawoi

Moken, Urak Lawoi, Chao Le

Die in Thailand ansässigen Seezigeuner sind unterschiedliche Minderheiten. Von den Thai werden sie Chao Nam genannt(Wasservolk) auf Südthai Chao Le (Le ist südthai für Thalee, was mehr Meer bedeutet). Sie selbst wollen aber nicht so genannt werden, sondern lieber mit ihrem Stammesnamen.

Je nach Region leben in Thailand verschiedene Stämme. Auf Surin und den burmesischen Insel des Mergui Archipel sind es die Moken, auf Phuket, Koh Lanta und im Tarutao Nationalpark sind es v.a. die Urak Lawoi.

Die Moken und Urak Lawoi unterschieden sich in ihrer Sprache und Lebensform.

Während die Moken nomadisch auf ihren Booten lebten und erst durch die Regierungen gezwungen wurden sesshaft zu werden, hatten die Urak Lawoi schon immer feste Buchten.

Mehrwöchige Fischtouren der Urak Lawoi

Die Urak Lawoi Männer brachen mit ihren Booten zu mehrwöchigen Touren auf. Dabei lebten 4-6 Männer gemeinsam auf den kleinen Booten und ruderten bis hinauf zum Mergui Archipel. Eine Entfernung von knapp 300km einfach!

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Auch heute noch leben die Urak Lawoi hauptsächlich vom Fischfang, fahren aber nicht mehr so weit. Sie nutzen dabei auch Tauchausrüstung, meist mit Luftversorgung von der Oberfläche, um Krabben und Langusten zu fangen, oder zu harpunieren.

Früher wurden die Luft noch von Hand in die Tiefe gepumpt, was nicht selten tödlich endete. Heute benutzen sie Kompressoren auf den Booten. Dennoch bleibt diese Art des Fischfangs gefährlich. Im Dorf sind einige Taucher zu sehen, die von den Folgen der Dekompressionskrankheit Lähmungen haben.

Der Dorfchef erzählte mir, dass die Taucher auf bis zu 50m Tiefe tauchten und bis zu einer Stunde unter Wasser blieben. Vor einigen Jahren erhielten sie dann eine Tauchausbildung von einem amerikanischen Tauchlehrer. Seitdem sind die Tauchunfälle drastisch zurückgegangen.

Eine uralte Kultur, die vom Aussterben bedroht ist

Manik, der Dorfchef, versucht die Lebensweise seiner Vorfahren zu erhalten und diese an seine Kinder und Enkel weiter zu geben. Aber nicht mehr alle Kinder im Dorf sprechen die alte Sprache. Die jüngeren gehen aus dem Dorf weg, um woanders Arbeit zu suchen. Mit seinen Modellen der traditionellen Boote, die er komplett von Hand baut, verdient er sich etwas Geld dazu und gibt den Besuchern seines Dorfes ein Stück der alten Zeit mit in die weite Welt.

Ich habe hier einen faszinierenden Einblick in die Kultur dieses uralten Stammes erhalten und habe mir fest vorgenommen wieder zu kommen und noch mehr über die Urak Lawoi zu lernen.

4 Kommentare
  1. Maike von Reisetageblog.de
    Maike von Reisetageblog.de says:

    Danke für diesen interessanten Artikel, ich habe noch nie von diesen Stämmen gehört. Es wäre schön, wenn mehr Touristen davon wüssten, so dass sie mit zusätzlichen Einnahmen vielleicht darin unterstützt würden, ihre Kultur zu erhalten. Ich werde es mir auf jeden Fall mal ansehen, wenn ich da bin! LG Maike

  2. Sebastian
    Sebastian says:

    Ja, es ist wirklich faszinierend, dass diese Menschen aus einer so alten Kultur so nahe an der Moderne leben. Wäre schön, wenn sie etwas von den Touristendollars abbekämen und das für den Kulturerhalt einsetzen würden. Aber da habe ich so meine Zweifel…

  3. Dave
    Dave says:

    Schöner Artikel! Oder hast Du diese Menschen wo anders erlebt? – Ja wir fahren seit Jahren in ihre Gebiete und hatten einmal die Möglichkeit an einer besonderen Feier teilzunehmen.. Ein Fest auf dem Friedhof zu Ehren der Ahnen… Wer also Lust hat kommt mal mit rüber auuf meinen Blog „Picjungle“
    http://www.picjungle.de/chao-lee-party/

  4. Sebastian
    Sebastian says:

    Ich habe Seezigeuner auch auf Surin erlebt. Vor einigen Jahren bevor es regelmaessige Speedbot Touren auf die Inseln gab. Da waren sie sehr zurueckhaltend aber wir durften das Dorf besichtigen. Und auch in Rawai. Dort sind sie v.a. aufdringliche Bettler und Verkaeufer, die von den Touristen leben.

    Aber die Begegnung mit dem Dorfchef auf Koh Sirae und seinen Berichten von der alten Zeit hat mich sehr beeindruckt. Und es ist schade, in wi kurzer Zeit sie ihre alte Lebensweise verloren haben.

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